Ernährungsinitiative – warum wir JA sagen
Am 27. September stimmt die Schweiz über die Initiative für eine sichere Ernährung (kurz: Ernährungsinitiative) ab. Sie verlangt, dass der Netto-Selbstversorgungsgrad der Schweiz auf mindestens 70 Prozent steigt, die Landwirtschaft stärker auf pflanzliche Lebensmittel setzt und ihre Böden, Biodiversität und Trinkwasser besser schützt. Für Sentience ist klar: Die Initiative bietet die Chance, langfristig das Tierleid in der Landwirtschaft zu reduzieren.
Die heutige Landwirtschaft setzt stark auf Tierproduktion
Dass die Schweiz heute nur etwa die Hälfte ihrer Lebensmittel selbst produziert, ist unter anderem das Ergebnis politischer Weichenstellungen (Quelle: Agrarbericht 2025, S. 102). Eine wichtige Rolle spielt dabei, welche Formen der Landwirtschaft staatlich gefördert werden. So fliesst heute ein grosser Teil (ca. 80 Prozent) der staatlichen Subventionen für die Landwirtschaft in die Tierproduktion (Quelle: Interpellation Schlatter). Das Produzieren von Fleisch, Milch und Eiern wird dadurch wirtschaftlich attraktiver gemacht und für Bäuer:innen lohnt sich der Anbau von pflanzlichen Lebensmittel weniger.
Das zeigt sich bei der Nutzung unserer Ackerflächen: Mehr als 50 Prozent werden für die Produktion von Tierfutter genutzt, anstatt darauf pflanzliche Lebensmittel anzubauen, die direkt von Menschen gegessen werden können (Quelle: Agrarbericht 2025, S. 80). Eine stärkere direkte Nutzung der vorhandenen Flächen für pflanzliche Lebensmittel könnte dazu beitragen, mit denselben Ressourcen mehr Lebensmittel für Menschen bereitzustellen statt den Umweg über das Tier zu nehmen.
Zusätzlich werden etwa 50 Prozent der Futtermittel importiert, vor allem Kraftfutter. Die Tierproduktion beansprucht also viele Schweizer Ackerflächen und ist gleichzeitig massiv vom Ausland abhängig.
Warum Sentience die Ernährungsinitiative unterstützt
In der Schweiz werden jedes Jahr über 80 Millionen Tiere für unsere Ernährung geschlachtet. Je stärker unser Ernährungssystem auf Tierprodukten beruht, desto höher ist diese Zahl.
Die Ernährungsinitiative will den Selbstversorgungsgrad deutlich erhöhen, indem die Produktion pflanzlicher Lebensmittel gestärkt wird. Eine solche Verschiebung würde auch mit einer geringeren Tierproduktion einhergehen – für die Tiere ein entscheidender Fortschritt.
Die Ernährungsinitiative ist für uns auch Teil einer grösseren Entwicklung: der Proteinwende. Dafür braucht es nicht nur Veränderungen beim individuellen Konsum, sondern auch die geeigneten politischen Rahmenbedingungen.
Die Ernährungsinitiative kann einen wichtigen Schritt in diese Richtung anstossen: hin zu einer Landwirtschaft, die mehr Lebensmittel direkt für Menschen produziert, die Produktion pflanzlicher Lebensmittel stärker fördert und weniger Tierleid verursacht.
Veränderung braucht eine Kombination von Hebeln und breiten Allianzen
Bei einer Annahme der Initiative ist die Arbeit nicht getan. Wie die Vorgaben konkret umgesetzt werden, entscheidet das Parlament und das 70-Prozent-Ziel innerhalb von zehn Jahren zu erreichen, ist ambitioniert. Die Initiative ist zudem kein Gesamtkonzept für eine tierfreundlichere Landwirtschaft, sondern ein wichtiger Hebel unter mehreren.
Die Debatte um die Ernährungsinitiative zeigt auch, wie wichtig es ist, für wirksame Veränderungen in der Landwirtschaft und im Ernährungssystem frühzeitig unterschiedliche Akteur:innen einzubeziehen. Wir sind überzeugt, dass solche Veränderungen langfristig die grösste Wirkung entfalten, wenn Organisationen aus Tierschutz, Umwelt und Landwirtschaft zusammenarbeiten und gemeinsam breite Allianzen schaffen.
Am 27. September sagen wir JA zur Ernährungsinitiative – und bleiben auch danach dran.










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