Tiere ans System anpassen: Wie weit wollen wir gehen?
Die Schweiz hat die Würde der Kreatur bereits 1992 in ihrer Bundesverfassung verankert. Die Aussicht auf genetisch veränderte Tiere stellt uns heute vor eine grundlegende ethische Frage: Wollen wir die Körper von Tieren immer weiter an die Anforderungen einer intensiven Landwirtschaft anpassen, statt das System selbst zu verändern?
Die aktuellen Entwicklungen und die damit einhergehende Debatte machen diese Frage besonders dringlich. Der Verein für gentechnikfreie Lebensmittel setzt sich unter anderem für eine umfassende Risikoprüfung gentechnisch veränderter Organismen ein. Auch wenn die Lebensmittelschutz-Initiative im Juni 2026 offiziell nicht zustande kam, bleibt die politische Debatte über den Einsatz und die Regulierung neuer gentechnischer Verfahren offen. Für Sentience steht dabei insbesondere eine Frage im Zentrum: Was bedeutet der Einsatz solcher Technologien für die Tiere?
Tiere an die Produktion anpassen: durch Zucht
Bereits heute sehen wir die Folgen der Anpassung von Tieren an die Anforderungen der Produktion. Schnell wachsende Masthühner (sogenannte Qualzuchten) sind dafür ein eindrückliches Beispiel: Über Generationen wurden sie gezielt darauf gezüchtet, in möglichst kurzer Zeit ein möglichst hohes Schlachtgewicht zu erreichen, um mit weniger Ressourcen mehr Fleisch zu produzieren. Die Folgen sind gut dokumentiert: Probleme mit dem Bewegungsapparat, Schmerzen sowie Herz-Kreislauf- und Atemprobleme. Die Tiere wachsen so schnell, dass ihr Körper damit nicht Schritt halten kann.
Auch Schweine wurden lange vor den heutigen Möglichkeiten der Gentechnik an die Anforderungen der Produktion angepasst: schnelles Wachstum, Fleischqualität, möglichst einheitliche Schlachtkörper. Schweine mit einer erhöhten Anzahl an Rippen sind ein besonders anschauliches Beispiel für diese Zuchtlogik. Die auf immer höhere Leistung ausgerichteten Körper können dabei erhebliche gesundheitliche Schäden davontragen, im Extremfall kann der Rücken regelrecht «durchbrechen».
Dahinter steht ein System, das Produktivität über die grundlegenden Bedürfnisse der betroffenen Tiere stellt.
Von der Zucht zur Gentechnik: Wem dient die Technologie?
Neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas könnten diese bestehende Logik auf eine neue Stufe heben. Sie ermöglichen gezielte Eingriffe in das Erbgut und könnten dazu eingesetzt werden, Tiere noch stärker an die Bedingungen der heutigen Landwirtschaft anzupassen – mit teilweise völlig unbekannten Folgen für Gesundheit und Wohlergehen der betroffenen Tiere.
Sentience stellt sich nicht grundsätzlich gegen technologischen Fortschritt. Nicht jede genetische Veränderung eines Tieres ist automatisch ethisch problematisch. Entscheidend ist, welchem Zweck ein Eingriff dient und welche Folgen es für betroffene Lebewesen hat. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn Tiere dadurch produktiver gemacht oder stärker an die Anforderungen der Produktion angepasst werden sollen: Dann wird nicht das Produktionssystem an die Bedürfnisse der Tiere angepasst, sondern der Tierkörper an die Anforderungen des Systems.
Denn ob Hühner, Schweine oder Kühe: Landwirtschaftlich gehaltene Tiere sind empfindungsfähige Lebewesen. Sie können Schmerz, Stress und Wohlbefinden empfinden, ihre Interessen müssen deshalb ernst genommen werden.
Im Kern geht es deshalb um eine politische und ethische Grundsatzfrage: Wollen wir die Anforderungen eines Systems, das Tiere als Produktionseinheiten behandelt, zunehmend in ihre Biologie einschreiben? Oder wollen wir ein Ernährungssystem schaffen, das die Interessen der davon betroffenen Individuen respektiert?
Sentience setzt sich seit über zehn Jahren dafür ein, die politische Debatte stärker auf die Interessen von Tieren als empfindungsfähige Lebewesen auszurichten. Wir wollen Strukturen hinterfragen, die systematisch Leid verursachen, und rechtliche Grundlagen für eine stärkere Berücksichtigung der Interessen nicht-menschlicher Tiere schaffen.
Aktuell zeigt sich diese Frage besonders konkret bei der Zulassung gentechnisch veränderter Schweine für die Schweizer Landwirtschaft. Für Sentience ist klar: Nicht die Tiere müssen an ein ungerechtes System angepasst werden. Das System muss sich verändern.
Sie wollen ein Zeichen gegen die genetische Anpassung von Tieren an die industrielle Produktion setzen? Unterzeichnen Sie jetzt den Protestbrief und sagen Sie NEIN zu Gentech-Schweinen in der Schweiz.










Noch keine Kommentare