Jenseits der Speziesgrenze: Warum Empfindungsfähigkeit zählt
Heute ist der Welttag für das Ende des Speziesismus. Dieser Tag macht darauf aufmerksam, dass die Interessen von nicht-menschlichen Tieren in unserer Gesellschaft häufig allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit weniger stark berücksichtigt werden. Ein aktueller Gerichtsentscheid aus Argentinien zeigt, wie grundsätzlich diese Frage ist.
In einem Sushi-Restaurant in Buenos Aires lebten zwei Goldfische, Fede und Magui, in einem 40-Liter-Aquarium. Das Becken war der Sonne und dem Lärm der Strasse ausgesetzt. Der Lebenshof Jaulas Vacías wurde auf die beiden aufmerksam und reichte Klage ein. Das Gericht ordnete im Juli 2026 ihre Umsiedlung an, da die Haltungsbedingungen gegen das argentinische Tierschutzgesetz verstiessen. Heute leben Fede und Magui in einem 2’500-Liter-Becken.
Besonders bemerkenswert: Das Gericht erkannte die beiden Goldfische als empfindungsfähige Lebewesen («sentient beings») und Rechtssubjekte an. Das ist die erste derartige Anerkennung für Goldfische weltweit. In Argentinien gab es zuvor bereits vergleichbare Entscheide zu nicht-menschlichen Primaten.
Matías Trufero, Anwalt von Jaulas Vacías, bringt die Bedeutung des Entscheids gegenüber CNN auf den Punkt: «Werden Tiere als Rechtssubjekte anerkannt, werden sie rechtlich nicht länger bloss als Dinge oder Objekte betrachtet.»
Dieser Fall berührt eine Frage, die weit über die Haltung von zwei Fischen hinausgeht: Welche Rolle sollte die Artzugehörigkeit eines Lebewesens dafür spielen, wie wir seine Interessen berücksichtigen?
Empfindungsfähigkeit statt Artzugehörigkeit
Speziesismus bezeichnet die unterschiedliche moralische Berücksichtigung von Individuen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit – etwa wenn ein menschliches Interesse allein deshalb höher gewichtet wird, weil es das Interesse eines Menschen ist. Die Folgen davon sind enorm: Milliarden nicht-menschliche Tiere leiden, weil ihre Interessen menschlichen Interessen untergeordnet werden.
Als antispeziesistische Organisation vertritt Sentience einen anderen Ansatz: Entscheidend ist nicht, welcher Spezies ein Individuum angehört, sondern welche Interessen es hat. Die Voraussetzung dafür ist Empfindungsfähigkeit – auf Englisch sentience. Ein empfindungsfähiges Lebewesen kann positive und negative Erfahrungen machen, zum Beispiel Schmerz oder Wohlbefinden. Und wo ein Lebewesen leiden kann, gibt es ein Interesse daran, dieses Leiden zu vermeiden.
Dieser Gedanke begleitet unsere Arbeit seit den Anfängen von Sentience. Für unsere 2017 lancierte Primaten-Initiative formulierten wir den Grundsatz:
«Gleiche Interessen sollten gleichermassen berücksichtigt und geschützt werden, unabhängig von der Artzugehörigkeit eines Individuums.»
Die Initiative forderte das Recht auf Leben sowie das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit für nicht-menschliche Primaten. Die Primaten-Initiative scheiterte 2022 zwar an der Urne, löste aber einen breiten Diskurs über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier aus.
Genau darauf verweist auch der Welttag für das Ende des Speziesismus, der jedes Jahr am letzten Samstag im August stattfindet: Schmerz wird nicht weniger relevant, nur weil ihn ein nicht-menschlicher Primat, ein Fisch oder ein anderes Tier empfindet.
Der Fall von Fede und Magui macht dabei einen Grundsatz sichtbar, für den der Welttag für das Ende des Speziesismus steht: Nicht die Spezies sollte darüber entscheiden, ob die Interessen eines Lebewesens zählen, sondern seine Empfindungsfähigkeit.
Genau dafür steht auch unser Name: Sentience – Empfindungsfähigkeit.
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2 Kommentare
♥️danke
Dass freut mich sehr dass den Fischen geholfen wurde! Herzlichen Dank!