Der Hühner-Check: Grossverteiler unter der Lupe

Was steckt wirklich hinter den Tierwohl-Labels und den «glücklichen» Hühnern in der Werbung? Wir schauen genauer hin. Sentience beobachtet seit 2025 regelmässig, wie wichtig den mächtigsten Schweizer Grossverteilern das Wohl der Hühner wirklich ist. Unsere Ergebnisse fassen wir in fünf Berichten zusammen, die wir in den nächsten Wochen aktualisiert veröffentlichen. Eines ist klar: Da geht noch mehr – und Ihre Stimme kann dazu beitragen.

Senden Sie den Grossverteilern noch heute eine E-Mail, um höhere Standards zu fordern.

In der Schweiz werden jedes Jahr über 80 Millionen Masthühner gehalten und getötet. Hinter dieser Zahl stehen empfindungsfähige Lebewesen, die auf unnatürlich schnelles Wachstum herangezüchtet werden – so schnell, dass viele kaum stehen oder gehen können. 92 Prozent verbringen ihr kurzes Leben ausschliesslich im Stall, ohne je Tageslicht zu sehen. In nur 30 Tagen wächst ihr Körper schneller, als das Herz und die Knochen mithalten können – viele leiden unter Atemproblemen oder brechen unter ihrem eigenen Gewicht zusammen.

Grossverteiler haben die Macht, das Leben von Millionen Hühnern zu verändern…

Ihre Entscheidungen bestimmen, welche Rassen eingesetzt werden, wie Tiere gehalten werden und was letztlich in den Supermarktregalen und auf unseren Tellern landet. Mit höheren Standards können sie zeigen, dass sie das Tierwohl ernst nehmen. Solche Standards sind unter anderem im Better Chicken Commitment (BCC) festgelegt. Dieses verbietet den Einsatz von schnell-wachsenden Rassen und schreibt ausserdem bestimmte weitere Aspekte bei den Haltungsbedingungen vor, z.B. Besatzdichte, Lichtintensität, und humanere Schlachtungsmethoden. Neben der Reduktion des immens wachsenden Hühnerfleischkonsums sind solche Standards wichtige Instrumente, um die Lebensbedingungen zahlreicher Tiere zu verbessern.

In früheren Kampagnen haben wir 23’000 Unterschriften gesammelt, um mehr Tierwohl für Hühner zu fordern. Seit 2025 wurden zudem über 27’000 Mails an die Grossverteiler geschickt, um die Wichtigkeit dieses Themas zu verdeutlichen. Gemeinsam konnten wir Druck aufbauen und den Dialog eröffnen – denn mit grosser Macht kommt auch grosse Verantwortung.

Bis heute hat jedoch kein Grossverteiler in der Schweiz das BCC unterschrieben. Sentience ist im Gespräch mit den Grossverteilern, doch trotz Versprechen und einzelnen Schritten stagniert der Fortschritt.

Deshalb bringt Sentience diese Probleme ans Licht.

Wir haben anhand öffentlich zugänglicher Informationen geprüft, wie ernst die vier mächtigsten Grossverteiler in der Schweiz – Migros, Coop, Aldi und Lidl – das Wohlergehen der Hühner nehmen. Als Quellen nutzen wir Unternehmensberichte, Richtliniendokumente und offizielle Websites. Bei fehlenden Informationen kontaktieren wir die Unternehmen direkt und fragen nach. Ihre Antworten beziehen wir auch in unsere Analysen ein. Allerdings reagieren nicht alle Unternehmen auf unsere Anfragen, und diejenigen, die antworten, beantworten nicht immer alle unsere Fragen.

Unsere Erkenntnisse zeichnen ein klares Bild: Hinter Labels und Tierwohlprogrammen verbringen die allermeisten Hühner in der Schweiz ein qualvolles Leben.

Unsere Berichte bringen die Fakten ans Licht. Jetzt liegt es an uns allen, bessere Standards zu verlangen. Ihre Stimme zählt – helfen Sie mit, die Grossverteiler zu höheren Standards für Hühner zu verpflichten.

27'154von 30'000 E-Mails versendet
Fordere die Grossverteiler auf, ihre Standards für Hühner zu erhöhen.
* Warum fehlt die Migros? Sie hat mit der Optigal-Umstellung einen ersten Schritt angekündigt. Wir geben ihr Zeit für die Umsetzung und bleiben dran.
Mit dem Abschicken bestätigen Sie, unsere Datenschutzerklärung gelesen zu haben.

Schweizer Grossverteiler unter der Lupe

Im kommenden Monat werden wir wöchentlich unsere Berichte des Hühner-Checks aktualisieren. Diese zeigen seit 2025 auf, wie Migros, Coop, Aldi und Lidl im Vergleich zu den BCC-Standards abschneiden – einem Rahmen mit klaren Anforderungen, der die Unternehmen für ihren Umgang mit Tieren zur Verantwortung zieht.

Warum wir die Migros aktuell nicht anschreiben

Die Migros hat mit der Umstellung bei ihrer Eigenmarke Optigal einen ersten Schritt angekündigt. Wir sind mit ihr im Austausch darüber, wie die Umsetzung konkret aussieht, und geben ihr die Zeit, diesen Schritt umzusetzen. Deshalb konzentrieren wir uns jetzt auf Coop, Aldi und Lidl. Wir bleiben dran: Sollte die Migros nicht vorwärts machen, nehmen wir sie wieder in die Aktion auf.

Entdecken Sie unsere Recherchen:

Update 2026 coming soon

Migros: Ist der Marktriese mutig genug, um sich endlich zu commiten?

Erfahren Sie bald mehr

Lidl: punktuelle Fortschritte, Schweigen beim Wesentlichen

Erfahren Sie bald mehr

Aldi: Zeit, mit deinen europäischen Niederlassungen aufschliessen

Erfahren Sie bald mehr

Coop: Verbesserungen bedeuten wenig, solange die Hühner aus schnell wachsenden Zuchtlinien stammen

Erfahren Sie bald mehr

Grossverteiler unter der Lupe

Erfahren Sie bald mehr

Der Weg zu besseren Standards

Das Better Chicken Commitment (BCC, auch bekannt als European Chicken Commitment (ECC)) ist ein wissenschaftlich fundierter Rahmen, der das Leiden von Masthühnern verringert. Es definiert Mindestanforderungen, die von Unternehmen in ganz Europa und weltweit bereits umgesetzt werden:

  1. Vollständige Einhaltung des europäischen Tierschutzrechts
    • Die Schweizer Mindeststandards sind in vielen Punkten gleichwertig oder strenger als das EU-Recht. Bei manchen Aspekten liegen sie jedoch auch darunter. Für eine vollständige Einhaltung muss zudem auch importiertes Fleisch das EU-Recht erfüllen.
  2. Maximale Besatzdichte von 30 kg/m² oder weniger
    • Gesetzlicher Höchstwert in der Schweiz: 30 kg Lebendgewicht pro m² begehbare Fläche. Damit ist das BCC-Kriterium erfüllt.
  3. Keine Nutzung von schnell wachsenden Rassen
    • Das Schweizer Gesetz schreibt keine langsam wachsenden Rassen vor. In der Praxis wird überwiegend Ross 308 gehalten und getötet. In der Schweiz stammen nur ca. 8 Prozent der Hühner von langsam wachsenden Rassen. Die BCC verlangt Rassen, die nach dem RSPCA-Protokoll oder gleichwertigen Kriterien zugelassen sind.
  4. Bessere Haltungsbedingungen (Licht, Sitzstangen, Luftqualität und keine Käfighaltung)
    • Licht: Das BCC verlangt mindestens 50 Lux inklusive Tageslicht, die Schweizer Gesetzgebung nur 5 Lux. Im BTS-Programm («Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme») werden lediglich 15 Lux gefordert. Somit ist diese BCC-Anforderung nicht erfüllt.
    • Sitzstangen und Pickmaterial: Gesetzlich sind keine Angaben vorgeschrieben. Dieses BCC-Kriterium ist daher nicht erfüllt. Durch das BTS-Programm sind diese Aspekte dennoch weit verbreitet.
    • Luftqualität: dieses BCC-Kriterium ist in der Schweiz teilweise erfüllt. Die Höchstwerte für den Ammoniakgehalt betragen, wie in der EU, 20 ppm.  Die Temperaturregelung ist strenger als in der EU, aber es gibt keine Grenzwerte für CO₂ und die Luftfeuchte.
    • Keine Käfige oder Etagen: Die Käfighaltung ist in der Schweiz seit 1992 verboten. Dieses BCC-Kriterium ist somit erfüllt.
  5. Humanere Schlachtmethoden
    • Die BCC verlangt Gasbetäubung (CAS) – dabei nur Inertgas oder mehrphasige CO₂-Betäubung – oder elektrische Betäubung ohne das Einhängen lebender Tiere. In der Schweiz ist das Einhängen lebender Tiere erlaubt.
  6. Überprüfung der Einhaltung durch unabhängige Dritte und eine jährliche öffentliche Berichterstattung über die Fortschritte
    • Behördliche Kontrollen (kantonale Veterinärdienste) prüfen nur die gesetzlichen Mindeststandards. Eine unabhängige Prüfung und öffentliche Berichterstattung zu den BCC-Kriterien gibt es in der Schweiz bisher nur, wenn sich Unternehmen selbst dazu verpflichten.

Während Konsument:innennachfrage und Unternehmensverantwortung in anderen Teilen Europas vorangehen, ruht sich die Schweiz auf Produktionsvorgaben aus, die nicht mehr zeitgemäss sind.

Jetzt handeln: Helfen Sie uns, Druck auf die Grossverteiler aufzubauen – senden Sie ihnen jetzt eine E-Mail!

E-Mail-Inhalte

Sehr geehrtes Coop-Team,

Ich wende mich mit der dringenden Bitte an Sie, dass Coop das Better Chicken Commitment (BCC) unterzeichnet und einen klaren Fahrplan zur Umsetzung dieser Standards veröffentlicht, um das Wohlergehen der Hühner wirksam zu verbessern.

In der Schweiz werden jedes Jahr über 80 Millionen Hühner in Systemen gehalten, die ihnen Sonnenlicht, frische Luft und Bewegungsfreiheit verwehren. Diese Zahl hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten fast verdoppelt.

Zu den zentralen Problemen zählen die Rasse, die Besatzdichte, die Haltungs- und Umweltbedingungen sowie die Schlachtmethoden, die zu erheblichem Leid in der Geflügelindustrie beitragen.

Die Unterzeichnenden des BCC verpflichten sich, die Einhaltung dieser Standards durch unabhängige Dritte zu überprüfen und jährlich transparent über Fortschritte zu berichten.

Auf Grundlage aktueller Recherchen ist verstärktes Handeln von Coop erforderlich, insbesondere bei Rasse, Haltungsbedingungen und Umweltstandards. Der Mangel an Transparenz bezüglich der Überprüfung und Berichterstattung über diese Standards zeigt, dass das Unternehmen bisher keine formelle Verpflichtung zum ECC eingegangen ist – und lässt die Öffentlichkeit an der Ernsthaftigkeit des Engagements zweifeln.

Seit November 2016 haben über 200 führende Lebensmittelunternehmen in ganz Europa – von Schnellrestaurants bis zu bekannten Marken – das BCC unterzeichnet.

Ich möchte Sie eindringlich bitten, sich diesen Unternehmen anzuschliessen, um das Leben der Hühner zu verbessern und auf die zunehmenden öffentlichen Erwartungen an Tierwohl, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit zu reagieren.

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüssen

Sehr geehrtes Aldi-Team,

Ich wende mich mit der dringenden Bitte an Sie, dass Aldi das Better Chicken Commitment (BCC) unterzeichnet und einen klaren Fahrplan zur Umsetzung dieser Standards veröffentlicht, um das Wohlergehen der Hühner wirksam zu verbessern.

In der Schweiz werden jedes Jahr über 80 Millionen Hühner in Haltungssystemen gezüchtet, die ihnen ihre grundlegendsten Bedürfnisse verwehren: Sonnenlicht, frische Luft und Platz zur Bewegung. Diese Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt.

Zu den Hauptproblemen im Bereich Tierschutz zählen die Rasse, die Besatzdichte, die Haltungsbedingungen, die Umweltstandards und die Schlachtmethoden, die zu erheblichem Leid in der Geflügelindustrie beitragen.

Unterzeichnende Unternehmen des BCC verpflichten sich, die Einhaltung der Standards durch unabhängige Audits sicherzustellen und jährlich öffentlich über Fortschritte zu berichten.

Auf Grundlage aktueller Recherchen ist verstärktes Handeln durch Aldi erforderlich, insbesondere bei der Besatzdichte, der Rasse, den Haltungs- und Umweltstandards sowie der Schlachtmethoden. Der Mangel an Transparenz bezüglich der Überprüfung und Berichterstattung über diese Standards zeigt, dass das Unternehmen bisher keine formelle Verpflichtung zum ECC eingegangen ist – und lässt die Öffentlichkeit an der Ernsthaftigkeit des Engagements zweifeln.

Seit November 2016 haben über 200 führende Lebensmittelunternehmen in Europa das BCC unterzeichnet, darunter Aldi Spanien, Deutschland und Frankreich.

Ich möchte Sie eindringlich bitten, sich diesen Unternehmen anzuschliessen, um das Leben der Hühner zu verbessern und auf die zunehmenden öffentlichen Erwartungen an Tierwohl, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit zu reagieren.

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüssen

Sehr geehrtes Lidl-Team,

Ich wende mich mit der dringenden Bitte an Sie, dass Lidl Schweiz das Better Chicken Commitment (BCC) unterzeichnet und einen klaren Fahrplan zur Umsetzung dieser Standards veröffentlicht, um das Wohlergehen der Hühner wirksam zu verbessern.

In der Schweiz werden jedes Jahr über 80 Millionen Hühner in Systemen gehalten, die ihnen ihre grundlegendsten Bedürfnisse verwehren: Sonnenlicht, frische Luft und ausreichend Platz zur Bewegung. Diese Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt.

Zu den grössten Problemen zählen die Rasse, die Besatzdichte, die Haltungsbedingungen und die Schlachtmethoden, die zu erheblichem Leid in der Geflügelindustrie beitragen.

Die Unterzeichnenden des BCC verpflichten sich, die Einhaltung aller Standards durch unabhängige Prüfungen nachzuweisen und jährlich öffentlich über ihre Fortschritte zu berichten.

Auf Grundlage aktueller Recherchen ist dringendes Handeln durch Lidl Schweiz erforderlich, insbesondere in den Bereichen Besatzdichte, Rasse, Haltungs- und Umweltstandards sowie Schlachtmethoden. Der Mangel an Transparenz bezüglich der Überprüfung und Berichterstattung über diese Standards zeigt, dass das Unternehmen bisher keine formelle Verpflichtung zum ECC eingegangen ist – und lässt die Öffentlichkeit an der Ernsthaftigkeit des Engagements zweifeln.

Seit November 2016 haben über 200 führende Lebensmittelunternehmen in ganz Europa das BCC unterzeichnet – darunter Lidl Deutschland, Frankreich und Belgien.

Ich möchte Sie eindringlich bitten, sich diesen Unternehmen anzuschliessen, um das Leben der Hühner zu verbessern und auf die zunehmenden öffentlichen Erwartungen an Tierwohl, Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit zu reagieren.

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüssen

Naomi Rey
Naomi Rey
Co-Geschäftsleitung und Kampagnenleitung
Mehr zu Naomi Rey