Beschönigte Zahlen: Tierschutz reicht Lauterkeitsbeschwerde gegen Proviande ein
Zürich, 12. März 2026 – Mehrere Schweizer Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen haben gemeinsam bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission Beschwerde gegen Proviande eingereicht. Der Vorwurf: Die Branchenorganisation täusche Konsumierende mit geschönten Zahlen zum Tierwohl. In einer Werbung in der Online-Zeitung watson behauptet Proviande, über drei Viertel aller Nutztiere hätten regelmässigen Auslauf im Freien. Dabei liegt die reale Zahl laut den Organisationen bei lediglich 15 %.
Auslöser der Beschwerde ist eine Werbekampagne unter der Marke «Schweizer Fleisch», die Anfang Februar auf dem Newsportal watson geschaltet wurde. Darin schreibt Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft: «Über drei Viertel aller Nutztiere profitieren vom Bundesprogramm «RAUS» (regelmässiger Auslauf im Freien) […]».
Dass drei Viertel der Tiere Auslauf haben, ergibt sich jedoch nur durch eine statistische Methode, die von den Tierschutzorganisationen als irreführend kritisiert wird: die Berechnung nach sogenannten Grossvieheinheiten (GVE) an einem Stichtag. In der Berechnung entspricht eine Kuh einer Grossvieheinheit (GVE) – ebenso wie 250 Hühner. Da Masthühner den grössten Teil der landwirtschaftlich gehaltenen Tiere ausmachen und kaum Auslauf haben, liegt der Durchschnitt der Individuen mit Auslauf bei gerade einmal 15 %. Weil Masthühner nach wenigen Wochen geschlachtet und ersetzt werden, liegt ihre Zahl bei über 80 Millionen Individuen pro Jahr gegenüber einem Rinderbestand von 1.5 Millionen.
«Die Angabe ist eine starke Beschönigung der realen Zustände und täuscht die Konsumierenden über die Herstellung ihrer Lebensmittel», kritisieren die Organisationen Animal Rights Switzerland, Sentience, Stiftung für das Tier im Recht und Tier im Fokus. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Diskrepanz: Hält ein Hof zwei Kühe (mit Auslauf) und 500 Hühner (ohne Auslauf), gelten nach der GVE-Logik 50 % aller Tiere auf dem Betrieb als RAUS-konform – obwohl es faktisch weniger als 1 % sind.
Bereits im vergangenen Monat haben Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen das Medium watson kontaktiert und die fehlerhafte Darstellung kritisiert. Da die aus Sicht der Organisationen irreführende Angabe jedoch weiterhin im Artikel steht, haben sie eine Beschwerde bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission eingereicht.
In den Jahren 2018, 2022 und 2025 wurde Proviande von der Lauterkeitskommission wegen unlauterer Werbung gerügt. «Dass Proviande trotzdem jedes Jahr über 5 Millionen Franken vom Bund für die Absatzförderung erhält, ist stossend und politisch nicht tragbar», kritisieren die Organisationen.
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