Wählen wir eine tierfreundliche Zukunft!

Am 22. Oktober finden die eidgenössischen Wahlen 2023 statt. Alle Politikerinnen und Politiker im National- und Ständerat müssen sich der Wiederwahl stellen und unzählige neue Kandidierende hoffen, den Sprung in die nationale Politik zu schaffen. Für die Tiere birgt eine solche Weichenstellung viele Chancen – aber auch Gefahren. Gelingt es uns, die tierfreundlichen Kräfte im Parlament zu stärken, können wir in der nächsten Legislatur einiges bewirken. Setzen sich diejenigen Kräfte durch, denen das Tierwohl egal ist, sind weitere Rückschritte, etwa in der Landwirtschaftspolitik, zu befürchten.

Wahlempfehlung

Aus Sicht von Sentience drängt sich grundsätzlich die Wahl links-grüner Kandidierenden auf. Obwohl die Grünliberalen ebenfalls Überschneidungen mit den Anliegen von Sentience haben, sind sie in vielen Kantonen schlecht wählbar – insbesondere aufgrund ihrer Listenverbindung mit dem bürgerlichen Mitte-Lager. Bei der Wahl zwischen der SP und den Grünen liegen die Grünen aus Tierwohl-Sicht klar vorne: Die Grünen haben die Initiative gegen Massentierhaltung vom ersten Tag an mitgetragen und mehrere zentrale Forderungen von Sentience in ihre «Agenda 2023-2027» aufgenommen – darunter die Abschaffung der Massentierhaltung und die Einführung von Grundrechten für nicht-menschliche Tiere.

Eine parteiübergreifende Problematik der aktuellen Politik besteht darin, dass nur ungenügend zwischen unterschiedlichen Themenbereichen priorisiert wird. Gewisse Themen (insb. Tier- und Klimaschutz) sind – hinsichtlich des Leides, das auf dem Spiel steht – massiv gewichtiger als andere. Deswegen ist es von grosser Bedeutung, Kandidierende zu wählen, die sich schwerpunktmässig in den entsprechenden Bereichen engagieren. Für Sentience haben Fragen der Tierwürde und der Ernährung oberste Priorität; doch sind wir überzeugt, dass das Parlament auch grüner, weiblicher und jünger werden muss, um die unterschiedlichen Herausforderungen meistern zu können, denen wir uns als Gesellschaft stellen müssen.

Die Ernährung stellt einen Synergie- und Hebelpunkt dar, an dem sich besonders viel bewirken lässt. Dass der Ernährungsbereich als Politikum auch heute noch vernachlässigt wird, verstärkt dieses Argument. Obwohl in den letzten Jahren unzählige politische Vorstösse die Schweizer Landwirtschaft ökologischer, nachhaltiger und tierfreundlicher gestalten wollten, blockiert die Mehrheit des Parlaments weiterhin fast alle Fortschritte. Das hat uns gerade bei der Initiative gegen Massentierhaltung sehr geschmerzt, als das Parlament sowohl von unserer Initiative als auch von den moderaten Kompromissvorschlägen nichts wissen wollte. Umso wichtiger ist es jetzt, die richtigen Weichen zu stellen.

Unter den oben genannten Gesichtspunkten wird klar: Die Grünen, die SP und die glp (inkl. Jungparteien) sind die einzigen (nationalen) Parteien, die die Interessen von Sentience mindestens einigermassen vertreten. Das bestätigt sich auch bei einem Blick auf die Smartvote-Antworten der Kandidierenden zur Frage «Befürworten Sie strengere Tierschutzregelungen für die Haltung von Nutztieren (z.B. permanenter Zugang zum Aussenbereich)?»

Grafik für Befürwortung von strengeren Tierschutzregelungen für die Haltung von Nutztieren (z.B. permanenter Zugang zum Aussenbereich)?

Bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass es auch innerhalb der Parteien grosse Unterschiede zwischen den Kandidierenden gibt. Deswegen ist es von grosser Bedeutung, Personen zu wählen, die sich schwerpunktmässig in Bereichen engagieren, bei denen besonders viel auf dem Spiel steht. Eine einfache Heuristik besteht darin, diejenigen Politiker:innen zu wählen, die sich am stärksten für den Tierschutz und das Klima einsetzen. Am wichtigsten ist die Wiederwahl von Meret Schneider, die Sentience lange als Co-Geschäftsleiterin begleitet hat und für das Gelingen der Initiative gegen Massentierhaltung ausschlaggebend war.

Im Folgenden eine Auswahl von Personen, die Sentience in der Vergangenheit aktiv unterstützt haben und aus unserer Sicht unbedingt wiedergewählt werden sollten:

Zürich:

  • Balthasar Glättli, Grüne Partei
  • Bastien Girod, Grüne Partei
  • Daniel Jositsch, SP (Ständerat)
  • Meret Schneider, Grüne Partei

Bern:

  • Aline Trede, Grüne Partei
  • Kathrin Bertschy, glp
  • Kilian Baumann, Grüne Partei

Waadt:

  • Léonore Porchet, Grüne Partei
  • Samuel Bendahan, SP
  • Valentine Python, Grüne Partei

Weitere Kantone:

  • [Aargau] Gabriela Suter, SP
  • [Genf] Delphine Klopfenstein, Grüne Partei
  • [Wallis] Christophe Clivaz, Grüne Partei

Taktische Überlegungen

Das Wählen wird oft sehr einfach erklärt: Liste der präferierten Partei nehmen, weitere Kandidierende kumulieren und panaschieren und das ausgefüllte Wahlcouvert in den Briefkasten werfen. Es gibt grundsätzlich nichts gegen diese Vorgehensweise einzuwenden, der eigene Einfluss kann damit jedoch nicht optimiert werden. Deshalb haben wir einige Hinweise für das strategische Wählen:

  • Entscheidend sind die Parteizugehörigkeiten der einzelnen Kandidierenden. Für jede Person auf dem Wahlzettel gibt es eine Stimme für die entsprechende Liste: Werden etwa auf der SP-Liste alle Kandidierenden mit den Kandidierenden der Grünen ersetzt, erhält die SP letztlich keine einzige Stimme (bzw. nur über die Listenverbindung). Wenn auf einer Liste Leerzeilen vorhanden sind, werden diese jedoch der gewählten Liste gutgeschrieben.
  • Das Wählen einer Splitterpartei stellt keine gute Art des Protestwählens dar. Hat die gewählte Liste keine Chance auf ein Mandat (und keine Listenverbindung mit einer Partei, die bessere Chancen hat), wird die eigene Stimme de facto weggeworfen. Der Wahlentscheid könnte sich lediglich dadurch als nützlich erweisen, dass es etablierte Parteien dazu veranlasst, ihre Positionen in Richtung der Splitterpartei zu verschieben. Dieser Effekt ist aber hochgradig unsicher.
  • Bei Listenverbindungen ist Vorsicht geboten. Die ver­bun­de­nen Par­tei­lis­ten werden bei der Aus­zäh­lung im ersten Schritt wie eine einzelne Liste be­han­delt. Erst im zwei­ten Schritt wer­den die Sitze auf die ein­zel­nen Parteien verteilt. Das heisst, dass die eigene Stimme potenziell einer anderen Partei zu Gute kommt. Für Linkswählende ist die Listenverbindung zwischen SP und Grünen jedoch vorteilhaft. Die Stimme stärkt in jedem Fall das – mehrheitlich homogene – linke Lager.
  • Listenplatz und Alter der Kandidierenden sind entscheidend. Obwohl es keinen Bonus für eine gute Platzierung gibt, zeigt die Erfahrung, dass Kandidierende auf einem der letzten Listenplätze fast immer chancenlos sind. Vor allem sehr junge Personen werden erfahrungsgemäss kaum gewählt. Kandidierende, die zwar noch jung, aber dennoch bereits profiliert sind, haben deutlich bessere Chancen. Als Bonus korreliert diese Kombination auch mit überdurchschnittlichem Engagement.
  • Junge und weibliche Personen sind politisch unterrepräsentiert. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass junge und weibliche Personen ceteris paribus progressiver und altruistischer denken. Es kann deshalb strategisch sinnvoll sein, entsprechende Kandidierende zu priorisieren. Eine Erhöhung des Anteils junger und weiblicher Personen in gesellschaftlichen Machtpositionen aller Art dürfte in mancherlei Hinsicht zu ausgewogeneren und faireren Resultaten führen.

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