Sentience fordert die RRRevolution!

Das Leiden nicht-menschlicher Tiere in der Schweizer Landwirtschaft ist enorm. Die meisten Kühe, Schweine, Hühner, Schafe und weitere Individuen werden als zu optimierende ökonomische Ressource betrachtet und leben in Verhältnissen, die wir bei anderen Tieren, wie zum Beispiel Hunden, als inakzeptabel empfinden. Es ist etwa undenkbar, dass Hunde rechtmässig ohne Auslauf im eigenen Kot leben sollten, mit wenig Sozialkontakten und dies lediglich bis zum Kindesalter. Geleitet vom Anspruch an grösstmögliche Produktivität werden immer mehr Tiere auf immer weniger Raum gehalten. Qualzuchten sorgen dabei für kurze, von Leid geprägte Leben.

Für uns ist klar: Das immense Tierleid in der Landwirtschaft ist unhaltbar, unnötig und vermeidbar. Mit der Kampagne rund um die Initiative gegen Massentierhaltung haben wir der Schweizer Bevölkerung aufgezeigt, wie es um die Tiere in der hiesigen Landwirtschaft steht. Für uns ist klar, dass sich einigen ändern muss. Deshalb fordern wir die RRRevolution: die Einführung des 3R-Prinzips – Refine, Reduce, Replace – für Tiere in der Schweizer Landwirtschaft.

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Was ist das 3R-Prinzip?

Beim 3R-Prinzip handelt es sich um ein Konzept aus der Tierversuchsforschung. Heute besteht breiter Konsens darüber, dass die Forschung an Tieren schwierige ethische Fragen aufwirft. Aus diesem Bewusstsein heraus sind Regeln entstanden, deren Anwendung in der Schweiz zu einem spürbaren Rückgang an Tierversuchen geführt hat. Die wichtigste Regel lautet, dass es nur dann erlaubt ist, ein Tier zu schädigen, wenn nachgewiesen werden kann, dass keine valablen Alternativen bestehen. In der Landwirtschaft werden jedoch Millionen gesunder Tiere nach einem Bruchteil ihrer Lebenserwartung getötet, ohne dass dafür der geringste Nachweis der Alternativlosigkeit erbracht werden muss.

Dies ist besonders stossend, weil im Landwirtschaftsbereich viel weniger auf dem Spiel steht als in der Forschung. Die Entwicklung neuer Medikamente rettet möglicherweise unzählige Leben, während es beim Konsum von Tierprodukten vor allem um ein kurzzeitiges Geschmackserlebnis geht. Wenn es also eine Pflicht gibt, Alternativen zu Tierversuchen zu suchen, dann sollte diese Pflicht in der Landwirtschaft umso stärker sein.

Das aus der Forschung bekannte 3R-Prinzip – Refine, Reduce, Replace – muss deshalb auch in der Landwirtschaft zur Anwendung kommen: Die Haltung von Tieren soll weniger leidvoll sein (Refine), quantitativ verringert (Reduce) und – wo möglich – zwingend durch Alternativen ersetzt werden (Replace).

Wir fordern die Anwendung dieses Prinzips auf sämtlichen Ebenen der nationalen, kantonalen und kommunalen Agrar- und Ernährungspolitik der Schweiz.

Wir müssen Tierleid vermindern

In der Massentierhaltung gilt: je produktiver ein System, desto besser. Egal ob bei Genetik, Unterbringung, Fütterung oder im direkten Umgang mit den Tieren – der Leitsatz bleibt derselbe. Eine konsequente Umsetzung des Refine-Prinzips kann diesen Trend unterbinden. Im Fokus stehen dabei Massnahmen zur schrittweisen Verminderung des physischen und psychischen Leids der Tiere in der Landwirtschaft.

Die Chance auf ein leidfreies Leben wird Tieren in der Landwirtschaft in der Regel bereits vor der Geburt verwehrt. Sogenannte «Hybridzuchten» führen bei betroffenen Tieren zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen. Hühner in der Fleischindustrie werden innert 30 Tagen hochgemästet und können sich schon nach wenigen Wochen nicht mehr richtig auf den Beinen halten. In der Eierproduktion wurden Tiere genetisch so auf Produktivität getrimmt, dass sie gezwungen sind, Kalziumreserven aus ihren Knochen direkt in die Eierschalen zu investieren. Das Resultat: 97 Prozent der Schweizer Legehennen erleiden im Verlauf ihres Lebens schmerzhafte und meist unbehandelte Knochenbrüche. Milchkühe liefern nicht mehr wie früher 4’000, sondern über 8’000 Liter Milch pro Jahr .Die Folge: Die Kühe sind anfälliger für Krankheiten und haben eine Vielzahl körperliche Probleme. Schweine weisen heute zwei zusätzliche Rippen auf. All diese Praktiken verursachen massives Leid.

Ein Refine-Lösungsansatz

In der Schweiz sind wir nach wie vor weit entfernt von einer Landwirtschaft, in welcher selbst Refine-Massnahmen konsequent umgesetzt werden. Ein konkretes Beispiel für einen Lösungsansatz ist die von uns lancierte Initiative gegen Massentierhaltung. Ein Abstimmungserfolg hätte das Leben der über 80 Millionen jährlich in der Schweiz geschlachteten Tiere spürbar verbessert. Trotz Ablehnung an der Urne hat die Kampagne gezeigt, dass sich unser Einsatz lohnt: Unsere Forderungen wurden von über einem Drittel der Bevölkerung unterstützt. Mit zielführenden und konsequent umgesetzten Massnahmen können sich nicht nur die Lebensumstände hiesiger Tiere, sondern auch jene von Tieren im Ausland verbessern, die für den Import in die Schweiz bestimmt sind.

Mögliche Verbesserungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Sicherstellung einer möglichst leidfreien Unterbringung und Pflege: Für die Tiere bedeutet das mehr Platz pro Individuum, Einstreu für alle, die Möglichkeit sozial miteinander zu interagieren, zu spielen und eine artgerechte Fütterung.
  • Garantierter Weidezugang: Statt wie aktuell nur 12 Prozent sollen zukünftig sämtliche Tiere in der Schweizer Landwirtschaft regelmässigen Auslauf auf einer Weide erhalten.
  • Reduzierte Gruppengrössen: Die Anzahl Individuen pro Stall wird deutlich gesenkt, was für die Tiere weniger Stress bedeutet und die Möglichkeit der individuellen Betreuung und Pflege erhöht.

Die Tierzahlen müssen sinken

In der Forschung besteht ein breiter Konsens darüber, dass wir Tierversuche, sofern möglich, reduzieren sollten – im besten Fall auf null. Das gleiche Prinzip gilt es auch in der Landwirtschaft anzuwenden: Wir müssen die Anzahl landwirtschaftlich genutzter Tiere unbedingt senken – allerspätestens dann, wenn wir auch ohne Tierprodukte eine ausgewogene Ernährung der Bevölkerung sicherstellen können. Fakt ist: In der Schweiz stehen uns bereits heute erschwingliche tierleidfreie Lebensmittel zur Verfügung, die eine hochwertige Ernährung ermöglichen. Die Lösungen sind da – der politische Wille muss folgen.

Das Bundesamt für Lebensmittel­sicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat in einem Bericht festgehalten, dass Schweizer:innen im Durchschnitt dreimal so viel Fleisch konsumieren, wie gemäss Schweizer Lebensmittel­pyramide empfohlen wird. In der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 hält der Bundesrat klar fest, dass der hohe Pro-Kopf-Konsum an Tierprodukten nicht mit den nationalen Nachhaltigkeitszielen kompatibel ist. Selbst Schweizer Behörden sagen also: der Konsum von Tierprodukten in der Schweiz muss sinken. Wie das aber konkret angegangen und umgesetzt werden soll, bleibt unberücksichtigt.

Ein Reduce-Lösungsansatz

Sentience ist der Überzeugung, dass es für eine nachhaltige Reduktion von Tierprodukten in Schweizer Haushalten und in der öffentlichen Verpflegung neue politische Weichenstellungen braucht. Einerseits muss die Bevölkerung durch Informations­kampagnen sensibilisiert, andererseits müssen öffentliche Institutionen – beispielsweise Schulmensen und Altersheime – verstärkt in die Verantwortung genommen werden. Konkrete Beispiele für diesen Ansatz sind die Initiativen, die Sentience in der Vergangenheit zur Förderung pflanzlicher Ernährung lanciert hat. Im Kanton Basel-Stadt forderten wir bereits 2014 vegane Gerichte auf den Speisekarten öffentlicher Kantinen. Ziel war es, dass täglich mindestens ein rein pflanzliches Gericht angeboten wird.

Als weitere Lösungsansätze wären auch produkt- oder kategoriespezifische Steuern oder gezieltes Nudging im Detailhandel denkbar. Auf Seite der Produzent:innen muss ebenfalls interveniert werden. Aktuell sind die Anreizsysteme der Schweizer Agrarpolitik so ausgestaltet, dass sich das Halten möglichst vieler Tiere für Landwirt:innen finanziell lohnt. Direktzahlungen und Tierwohlbeiträge werden pro Tier ausbezahlt und es gibt zu wenig Anreize, die Bestände zu reduzieren. Die Stellschrauben sollten so eingestellt werden, dass umwelt- und tierschädigendes Verhalten so nicht länger gefördert wird.

Wir müssen Tierprodukte vermeiden

In der Forschung gilt die Devise: Kann ein wissenschaftliches Experiment auch ohne Tierversuche verlässliche und qualitativ hochwertige Resultate erzielen, dann gilt es, entsprechende Alternativen zu nutzen. Im Kontext der Landwirtschaft würde eine analoge Betrachtungsweise bedeuten: Wo hochwertige Nahrungsmittel mit vergleichbaren Nährwerten (und einer deutlich besseren Ökobilanz) verfügbar sind, müssen Tierprodukte vermieden und ersetzt werden. Dieser rationale Grundsatz muss in Politik und Gesellschaft zur Norm werden.

Ein Replace-Lösungsansatz

Pflanzliche Alternativen zu Tierprodukten stehen uns in der Schweiz bereits heute zur Verfügung. Ihre Beliebtheit nimmt Jahr für Jahr zu, zumindest hierzulande ist aber aktuell noch kein Rückgang beim Fleischkonsum messbar. Sentience ist der Überzeugung, dass politische Massnahmen wie etwa eine gezielte staatliche Förderung dieses neuen Industriezweiges notwendig sind. Wir erachten es zudem als essenziell, die Grossverteiler aktiv in die Verantwortung zu nehmen. Pflanzliche Produkte müssen für alle erschwinglich werden.

Einen wichtigen Beitrag zur Reduktion des Konsums traditioneller Tierprodukte können auch Fleisch- und Milch­alternativen aus Zellkulturen leisten. Die Forschung in diesem Bereich macht aktuell grosse Fortschritte – auch in der Schweiz befassen sich mittlerweile zahlreiche Unternehmen mit der Thematik. Sentience hat bereits 2016 ein Positionspapier veröffentlicht, das die zahlreichen Vorteile von kultiviertem Fleisch hervorhebt. Würde das Replace-Prinzip konsequent verfolgt, müssten Regierungen die aktuellen Bemühungen in der Forschung durch gezielte staatliche Förderungsmassnahmen ausbauen. Nur durch entsprechende Subventionen – bei gleichzeitiger Senkung der Gelder für die herkömmliche Tierhaltung – kann die breite Verfügbarkeit tierleidfreier Produkte langfristig gewährleistet werden.

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