Ei, Ei, Ei: Ist das Kükentöten bald vorbei?

Wie kann es sein, dass das millionenfache Kükentöten in der Eierproduktion immer noch legal ist und was kann dagegen unternommen werden?

Wenn ein Küken in einem Brutbetrieb für Legehennen schlüpft, dann entscheidet dessen Geschlecht, ob es in den nächsten Stunden getötet oder aufgezogen wird. Die Überlebenschancen stehen 50:50. Männlichen Küken werden in diesem System konsequent vergast. Warum ist das so? Und was können die Konsumierenden dagegen tun?

Das kleine Einmaleins der Eierproduktion

Im Laufe der Industrialisierung der Landwirtschaft wurde auch die Eierproduktion Schritt für Schritt intensiviert. Angebot und Nachfrage stiegen kontinuierlich, wobei auch die Werbeindustrie den Konsum von Eiern stark angekurbelt hat. Das hat die Tierzucht stark beeinflusst.

Im vorindustriellen Zeitalter waren Zweinutzungsrassen die Norm. Sie wurden jedoch aus ökonomischen Gründen von zwei verschiedene Zuchtlinien abgelöst: Eine, die ausschliesslich für die Eierproduktion eingesetzt wird, und eine zweite, die für die Mast genutzt wird. Diese Hochleistungstiere wurden für jeweils einen Zweck gezüchtet, wodurch die Frage aufkam, was mit den männlichen Küken der Legelinien geschehen sollte – da diese logischerweise nicht in der Lage sind, Eier zu legen.

Von einem rein ökonomischen Standpunkt her ist es nicht rentabel, die Männchen aufzuziehen. Sie benötigen einiges mehr an Zeit und Futter, um mit der Gewichtszunahme der Zuchtrasse, die für den Mastbetrieb eingesetzt wird, auch nur ansatzweise mithalten zu können.

Die Lösung? Männliche Küken in einem Legehennenbetrieb werden direkt nach dem Schlüpfen aussortiert und mit Gas getötet. Dies geschieht systematisch – auch in der Schweiz.

Aktuell noch keine Vorreiterrolle

Bis Anfang 2020 war das Schreddern von frisch geschlüpften Küken hierzulande legal. Das Parlament hat dies mittlerweile aus Tierschutzgründen verboten. Begründet wird das Verbot damit, dass das Vorgehen nicht mit dem Abschnitt des Tierschutzgesetzes zu vereinbaren sei, der die Würde und das Wohlergehen der Tiere schützen soll.

Das Vergasen der Tiere mit Kohlendioxid bleibt jedoch weiterhin legal, obwohl dieses Vorgehen ebenfalls sehr umstritten ist, da es mit Atemnot, Panik und physischen Schmerzen einhergeht. Es ist anzunehmen, dass sich die gesetzliche Lage in der Schweiz wohl auch in Zukunft nicht so schnell ändern wird. Doch Widerstand macht sich bemerkbar: Politiker:innen wie die Grüne Zürcher Nationalrätin Meret Schneider engagieren sich regelmässig mit Motionen gegen das Leiden der Küken.

Frankreich und Deutschland haben kürzlich entschieden, bereits im kommenden Jahr das Töten der männlichen Küken in Legehennenbetrieben gänzlich zu verbieten. Damit sind sie der Schweiz einen Schritt voraus. Verpasst nun das Land, das das Label des «besten Tierschutzgesetzes der Welt» für sich beansprucht, den Anschluss?

Es gibt sie, die Alternativen!

In Deutschland und Frankreich werden neben dem Verbot bereits verschiedene Alternativmethoden besprochen, die das Kükentöten ersetzen könnten. Dazu gehören eine Reihe von Methoden, welche die Geschlechtsbestimmung im Ei ermöglichen. Mit diesem Vorgehen muss das Ei nicht komplett ausgebrütet werden.

Zudem verfolgen Pionierhöfe den Ansatz, wie früher «Zweinutzungstiere» zu halten, die die hochgezüchteten Legehennen ersetzen. Bei diesen Tieren legen die Weibchen zwar etwas weniger Eier, dafür legen die Männchen schneller Gewicht zu als bei den aktuell eingesetzten Rassen in der Eierproduktion.

Die Industrie stellt sich quer

In der Praxis werden die beiden beschriebenen Vorgehensweisen bereits heute eingesetzt. Für die systematische Integration solcher Alternativen in der Eierindustrie fehlen allerdings noch zusätzliche Investitionen und die Bereitschaft der Produzierenden und des Vertriebs, weiterzugehen als es der gesetzliche Minimalstandard verlangt.

Jene Akteure, die am Status Quo festhalten möchten, argumentieren, dass die Alternativen noch nicht genügen, um die Eierindustrie entsprechend umzustrukturieren. Mit einem schweizweiten Tötungsverbot würde man die Problematik ihrer Ansicht nach ins Ausland verlagern, wo die unwürdige Praxis weiterhin legal ist.

Diese Argumentationsweise blendet aus, dass die Vorreiterrolle von Deutschland und Frankreich wahrscheinlich dazu führt, dass die ganze EU bald mit einem Verbot nachzieht. Würde die Schweiz bei einem Verbot des Kükentötens wirklich Eier aus Drittstaaten importieren? Die Schweizer Bevölkerung legt seit jeher grossen Wert auf den Konsum einheimischer Tierprodukte – es ist zu erwarten, dass diese Präferenz auch bei leicht steigenden Eierpreisen Bestand hätte.

Was kann ich als Konsument:in tun?

Noch sind leider nicht in jedem Laden Eier zu finden, die ohne Kükentöten produziert werden. Bio-Eier bieten dafür keine Alternative, da auch bei der Label-Produktion Küken sterben müssen.

Es bleiben also nur wenige Optionen, um diese Praxis zu umgehen. Die effektivste Methode, um das Leiden der Küken zu verhindern, ist der Verzicht auf Eier und Eiprodukte. Wer nicht komplett auf Eier verzichten möchte, kann auf einige Label, die Eier von Zweinutzungshühnern anbieten, zurückgreifen. Oder beispielsweise das Label «R​​espeggt», das bereits heute eine Geschlechtsbestimmung im Ei vornimmt.

Fazit

Eine Zukunft ohne Kükentöten ist möglich und in Politik und Industrie scheint sich etwas zu tun. Dennoch: Der Wandel geschieht nur langsam. Als Kosument:innen können wir jedoch mit unseren Kaufentscheidungen zeigen, dass wir mit der heutigen Praxis nicht einverstanden sind. Nur so können wir die Massentierhaltung überwinden und hin zu einem würdevollen Umgang mit Tieren in der Landwirtschaft gelangen.

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